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Florian Brückner im Portrait, seitlich

Foto: Copyright Christian Hartmann

Thema
Unterhaltung
Redakteur | In
Benni
Veröffentlicht
20.07.2020

Schauspieler und Rettungssanitäter - mein Interview mit Florian Brückner

Ich komme in das kleine Cafe mitten in Riedering, das neu aufgemacht hat, halte Ausschau nach meinem Interviewpartner und sehe ihn draußen auf der schönen Terrasse sitzen. Ein bodenständiger, freundlich aussehender Mann Ende Dreißig, der mich mit einem Lächeln empfängt, als er mich sieht. Wir bestellen uns etwas zu Trinken und ich merke sofort, wie meine Aufregung verfliegt. So beginnt ein interessantes Gespräch mit Florian Brückner, einem Schauspieler, der ursprünglich aus meinem Nachbarort stammt.

 

Florian Brückner im Portrait, lächelnd.
Foto: Copyright Christian Hartmann

In seiner Heimat fühlt er sich einfach wohl!

Nachdem ich ihm von unserem Medienprojekt „aROund“ erzählt habe, interessiert mich, ob er denn immer noch in seinem Heimatort Riedering wohnt. Er erzählt mir, dass er mittlerweile in Bad Endorf lebt, da es ihn nach seiner Zeit auf einer Münchner Schauspielschule wieder zurück in den Landkreis gezogen hat. Auf meine Frage, was für ihn der Landkreis und speziell Riedering ausmacht, beschreibt er mir ein Gefühl der Zusammengehörigkeit sowie das simple Wohlfühlen in der Heimat. Auf Riedering bezogen spricht er von einer besonderen Kombination aus Tradition und Moderne, die sich seiner Meinung nach hier vereinen und erzählt mir fast beiläufig, dass wir im Cafe einer Schulfreundin sitzen.

Die erste Filmrolle sollte eigentlich sein Bruder bekommen!

Nachdem er seine Schauspielausbildung erwähnt hat, interessiert mich seine erste Rolle im 2002 erschienenen Spielfilm „Der Tod ist kein Beweis“ und ich will wissen, wie es dazu kam.

Florian beginnt mit einem überraschenden Detail, dass ursprünglich sein Bruder Maximilian für die Rolle gecastet wurde, aber von seiner Filmschule keine Zustimmung bekam. Also habe dieser Florian für die Rolle empfohlen, der ohne große Erwartungen am Casting teilnahm und die Rolle am Ende tatsächlich bekam. Somit hatte er seinen ersten Dreh also schon vor seiner eigentlichen Schauspielausbildung in München.

 

Was macht für ihn einen guten Dreh aus, will ich wissen und er erklärt mir, dass ein gutes Drehbuch essentiell für einen Film ist, um diesen attraktiv werden zu lassen. Natürlich gehören auch eine gute Atmosphäre zwischen den einzelnen Schauspielern und auch mit der Crew dazu. Tatsächlich gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Dreharbeiten, die unter anderem auch stark vom jeweiligen Regisseur abhängig sind. So verwenden junge Regisseure laut Florian oft andere, zum Großteil auch modernere Methoden, einen Film zu drehen, ältere Regisseure dagegen bringen mehr Berufserfahrung und genauere Vorstellungen zu den einzelnen Szenen mit ans Set, was den Schauspielern wiederum das Spielen erleichtert.

Die Angst eines Schauspielers, den Text zu vergessen, gibt sich mit der Zeit, sagt er, und wird unter anderem dadurch fast unbegründet, da mittlerweile nicht mehr jeder Take – also eine kurze, ungeschnittene Filmaufnahme – so viel Geld kostet wie es früher der Fall war.

 
Dazu fällt ihm eine kleine Anekdote zu einem früheren Dreh ein, die er mir lachend erzählt. Es ging dabei um einen langen Monolog, während dem er auch noch einen Tisch decken musste. Sein Text war auf Hochdeutsch und er musste jeden einzelnen Teller zu bestimmten Textstellen auf ihren Platz stellen. Als der Take dann nach einigen Versuchen im Kasten war, witzelte die Regisseurin, dass sie den Take ja jetzt mit Suppe in den Tellern drehen könnten. Das war zwar nicht ernst gemeint gewesen, hatte ihn aber verunsichert. Er befürchtete, seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden und hat den Film deshalb bis heute nicht angeschaut.


Außerdem erzählt er mir von seinem Lieblingsfilm „Räuber Kneißl“, in dem er mit seinem Bruder Maximilian zusammen vor der Kamera stand. Die Drehs mit seinem Bruder sind deshalb für ihn die spaßigsten, weil man sich gegenseitig sowie den Spielstil des anderen kennt, sich aufeinander verlassen kann und natürlich weiß, wie der jeweils andere tickt.

Theater oder Kino?

Auf die Frage, ob er den Beruf als Schauspieler empfehlen kann, gibt er den Tipp, dass man nicht naiv sein sollte und definitiv einen gewissen Ehrgeiz sowie genügend Ausdauer mitbringen muss, um den Beruf auszuüben. Er empfiehlt auch, dass man bei Interesse erst Erfahrungen in der Theaterbranche sammelt, da man dort viele Grundkenntnisse vermittelt bekommt und besser verstehen lernt, worauf es in dem Business ankommt. Dazu kommt noch, dass das Bühnenschauspiel authentischer und näher am Zuschauer ist als ein Filmdreh. Er selbst spielt am Münchner Volkstheater seit 2005 eine Rolle im Stück „Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben“ und berichtet, dass die ursprüngliche Nervosität, die er anfangs vor jeder Aufführung hatte, sich mit der Zeit gelegt hat und nur bei neuen Teilen seiner Rolle spurenweise zurückkommt. Er persönlich freut sich sehr auf den Umzug und die Neueröffnung des Volkstheaters im Herbst 2021.

Dialekte müssen gepflegt werden!

Da Florian im Großteil seiner Filme eine Rolle mit bayrischem Dialekt spielt, will ich wissen, ob er generell lieber bayrisch spricht in seinen Filmen. In drei Vierteln seiner Rollen spielt er bayrische Charaktere, sagt er mir, findet es jedoch sehr schade, dass diese Filme nicht so präsent wie Streifen auf Hochdeutsch sind und dadurch weniger Aufmerksamkeit von den Kinos im Vergleich zu den klassischen Hollywoodproduktionen bekommen. Er ist der Auffassung, dass der Dialekt allgemein verloren geht, zum Teil, weil er falsch gelernt wird, aber auch aufgrund fehlender Präsenz in der heutigen Gesellschaft. So entsteht für ihn der Eindruck, dass Dialekte heutzutage eher Distanz schaffen als den persönlichen Charakter einer Region zu wahren.

Am Beispiel des Münchner Dialekts macht er mir deutlich, dass ein Dialekt auch vollständig aussterben kann. Im Film wird die Dialektfrage für ihn besonders problematisch, wenn eine urbayrische Rolle falsch besetzt und somit der Charakter des Dialekts nicht richtig vermittelt wird.

Im Landkreis ist Florian als Rettungssanitäter tätig!

Mir brennt schon länger in unserem Gespräch eine Frage unter den Nägeln und ich bekomme jetzt endlich die Gelegenheit, sie zu stellen.
Was viele nicht wissen, ist, dass Florian nicht nur Theater- und Filmschauspieler ist, sondern auch noch einen „normalen“ Beruf hat, nämlich Rettungssanitäter. Mich interessiert, wie sich alle drei Tätigkeiten vereinbaren lassen. Überraschend gut, meint er schmunzelnd und fügt hinzu, dass seine Kollegen ihn dabei unterstützen und er deswegen auch mal eine Schicht vorarbeiten oder unbezahlten Urlaub nehmen kann, um sich dann wieder einem Dreh zu widmen. Seine Kollegen sind stolz auf ihn und er versucht, ihnen dafür etwas zurückzugeben, beispielsweise durch ständige Verfügbarkeit für Ersatzschichten in seiner drehfreien Zeit, weil ihm die Harmonie im Beruf sehr wichtig ist und er sonst beim Dreh den Kopf nicht frei hat. Der Beruf als Rettungssanitäter ist für ihn der Ausgleich zu seinen schauspielerischen Tätigkeiten, welcher ihn erdet und ihm als sicherer Job ein festes Gehalt bringt. Die Filmbranche ist für ihn eine eigene Welt, in der Takes wiederholt werden können und Fehler keine Folgen nach sich ziehen, ganz anders als im Rettungsdienst. Jedoch sieht er in beiden Berufen die Gemeinsamkeit, ruhig bleiben zu müssen sowie Aufregung und Nervosität abzulegen. Zudem ist er als Schauspieler mehr unterwegs und genießt die Zeit als Rettungssanitäter in der Heimat. Er hat schon so gut wie alle Facetten seines Sanitäterberufs ausprobiert und kann sich auch für Fortbildungen begeistern, da er ursprünglich mal überlegt hatte, Medizin zu studieren. Jedoch sieht er auch die eher schwierigen Seiten des Berufs. Er selbst hat noch nie einen folgenschweren Fehler begangen und kann deswegen nicht sagen, wie er mit einem solchen Vorfall umgehen würde, da so etwas das Berufsende bedeuten kann, wenn man damit nicht fertig wird.


Für ihn persönlich ist es wichtig, nahbar zu sein, weshalb er auch gerne kleinere Kinos besucht und keine berufliche Distanz besitzt. Das verdankt er definitiv dem Sanitäter-Beruf, stellt er fest. Dieser lässt ihn bodenständig bleiben, was sich in der Filmbranche oftmals eher als schwierig erweist. Bei seinem ersten Film sei beispielsweise extra eine Dame engagiert worden, die ihn in Drehpausen mit Sonnenschirm und kaltem Getränk versorgte.


Nachdem er mir einen so detaillierten Einblick in seine Berufssparten gegeben hat, bin ich neugierig, ob er sich denn in Zukunft für nur eine der drei Möglichkeiten entscheiden möchte.

Er lacht und meint, dass er sich eigentlich nicht festlegen möchte, da jeder der Berufe seine eigenen Vorzüge hat, die Summe eine für ihn perfekte Abwechslung darstellt und er sich seine Zukunft in allen drei Branchen gut vorstellen kann.

Bleibt da noch Zeit für Hobbies?

Ich erkundige mich noch, ob er denn neben drei verschiedenen Berufen auch Zeit für Hobbies habe und Zeit mit seiner Familie verbringen könne. Die Familie ist für ihn sein wichtigstes Hobby, sagt er und entgegen meiner Erwartungen habe er tatsächlich relativ viel Zeit für seine Lieben. Er wohnt Haus an Haus mit seinem Bruder, der ein wichtiger Ansprechpartner in Sachen Film für ihn ist und keineswegs einen Konkurrenten darstellt. Seine Familie ist für ihn sein persönlicher Ruhepol und er sieht sie so oft wie nur möglich. Abgesehen davon bleibt ihm wenig Zeit für anderweitige Hobbies. Er erzählt mir, dass er einen Angelschein besitzt, jedoch noch nie Angeln gegangen ist.

Was macht "Wackersdorf" aus und was steht in Zukunft an?

Ich spreche ihn auf den Film "Wackersdorf" an, der 2018 erschienen ist und will von ihm wissen, was diesen Film für ihn besonders macht. Er erzählt mir, dass ihn das Drehbuch gefesselt habe, da es über zehn Jahre hinweg verfasst wurde und man dem Film genau diese sorgfältige Arbeit anmerkt. Zusätzlich dazu hat er eine besondere Energie bei den Dreharbeiten wahrgenommen, welche durch die genaue Planung dieses Projekts zustande kam und deshalb eine sehr strukturierte, detaillierte Arbeit am Film zugelassen hat. Auf Nachfrage, was er für die nähere Zukunft an Projekten geplant hat, eröffnet er mir, dass er wieder mit seinem Bruder drehen will, da er die gegenseitige Hilfe, eine kreativere Ideenentwicklung sowie die Konkurrenzlosigkeit als eingespieltes Team und nicht als Fremde miteinander zu drehen, sehr schätzt. Außerdem verrät er mir, dass er eine für ihn eher utopische Idee hatte, die aber durch unterstützende Kontakte nun immer realistischer geworden ist. Dazu will er aber leider noch nicht mehr verraten.

Und damit geht für mich ein sehr interessantes, lehrreiches, teils lustiges und teils sehr leidenschaftliches Gespräch mit Florian Brückner zu Ende, den ich als sehr bodenständigen, freundlichen und engagierten Menschen wahrgenommen habe, der eine für sich perfekte Balance zwischen drei sehr unterschiedlichen Berufssparten und seiner Familie gefunden hat und der uns als Schauspieler sowohl im Theater als auch im Film noch länger erhalten bleiben wird.