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Foto eines Klassenzimmers, in dem Schüler direkt nebeneinander an Tischen sitzen, vorne ist eine große digitale Tafel

Keine Abstände in der Schule | Foto: Jonas B.

Thema
Politik
Redakteur | In
Jonas B.
Veröffentlicht
16.10.2020

Schule in Zeiten von Corona: Nach dem Abi ist nach der Politik-Lüge

Rosenheim im Spätsommer: Die Corona-Fallzahlen steigen massiv, trotz Gegenmaßnahmen. Mehrere Wochen lang auf den obersten Rängen der Städte mit den meisten Infektionen deutschlandweit. Die Schule geht trotzdem ganz normal los... bzw. halt mit Maskenpflicht überall. Und das obwohl täglich mehr das Ausmaß der neuen Corona-Eskalation an den zahlreichen Meldungen in den Medien deutlich wird. Wie ist das miteinander vereinbar? Welche Maßnahmen gibt es und funktionieren die? Wie läuft es an meiner Schule, der FOSBOS Rosenheim? Und bin ich mit dem Verlauf seit meinem letzten Artikel zum Thema "Schule in Zeiten von Corona" zufrieden? 

 

Schule in Zeiten von Corona... Streitfrage und Politikum. Nach dem Abitur und der Sommerpause melde ich mich mit meinem Resümee zum Schulalltag wieder. Denn da hat sich so einiges getan. Leider nicht unbedingt zum Besseren.

 

Los geht so ein Schultag für mich mit einer Fahrt mit der Bahn und schon da zeigt sich des Pudels Kern: Hier werden keinerlei Abstände eingehalten! Am Bahnsteig herrscht quasi völlige Maßnahmen-Narrenfreiheit. Daher habe ich einen offenen Brief geschrieben und diesen an die Presse und die Lokalpolitik weitergegeben. Den Brief und die Reaktionen dazu könnt ihr hier nachlesen:

 

 

Hier gehts zum Artikel über die Enge in der SOB!

 

 

Nachdem ich mich im Pulk mit drängendeln Jugendlichen und Erwachsenen über den viel zu schmalen Bahnsteig gezwängt habe, auf dem die Masken spätestens nach Verlassen des Zuges abgenommen werden, um die morgendliche Zigarette anzuglimmen, geht es mit der Menge an Berufsschülern, Studenten, aber auch Schülern der FOSBOS Richtung Schule. Dort angekommen, herrscht eigentlich auf dem Schulgelände Maskenpflicht. Doch die umgehen viele Schüler, indem sie auf den angrenzenden Parkplatz der Fachhochschule gehen und dort in dicht beeinander stehenden Gruppen rauchen und sich unterhalten. Maßnahmen außer Kraft, keiner der hier Einhalt gebietet. Auf den Gängen und in den Klassenzimmern ähnliche Bilder: Grüppchenbildung, keine Masken. Weder in der Pause noch Nachmittags und schon gar nicht vor dem Unterricht. In Mode gekommen ist mittlerweile die Ausrede "Ich esse gerade". Hat ja auch schon bei Politikern, wie Stefan Brandner funktioniert, der in einem Zug der deutschen Bahn im August ohne Maske angetroffen wurde, nach eigener Aussage weil er eine Nussschnecke aß. 

 

 

Maskenpflicht im Unterricht  

 

Die ersten zwei Schulwochen nach den Sommerferien mussten Schüler und Lehrer auch im Unterreicht den Mund-Nase-Schutz tragen. Zum Leid und Ärger vieler Schüler. Auch mir fiel und fällt das Maske-Tragen schwer! Es ist einfach nicht mehr so leicht und unbeschwert, manchmal möchte ich sie mir vor Hitzewallungen oder knapper Luft am liebsten vom Gesicht reißen. Zudem bin ich mit vielen neuen Schüler*innen in die 13.Klasse gekommen. Von einigen hatte ich erstmal überhaupt kein Gesicht vor Augen, ich sah nur Maskenmenschen, die völlig inkognito im Einheitsbrei der Maskengesichter verschwammen. 

 

Doch ich weiß und sage es auch ganz klar: Es geht einfach nicht ohne! Ich habe die Maske auch vor dem Sommer schon gefordert, allen Einschränkungen zum Trotz. Die einzige Alternative wäre der Heimunterricht. Aus Gründen des für einen Wirtschaftsstandort unwürdig schlechten Ausbauzustands des Internets zuhause ist das aber für viele keine Alternative, auch wenn mir persönlich das vielleicht sogar lieber wäre anstatt dauerhafter Maskenunterricht. Bei aller Klage muss aber auch gesagt werden: Wir haben es ja eh noch gut. Altenpfleger, Krankenschwestern oder Ärzte tragen einen solchen Mundschutz oft sehr viel länger, als wir... 6h sind da noch wenig.

Für uns gab es erstmal nur die morgendliche Pause von 20 Minuten - abzüglich Maske überziehen, um raus und wieder rein zu gehen, effektiv also 12 Minuten, in denen man die Maske abnehmen konnte. Was mich daran störte: In Berufen, in denen die Makse getragen werden muss, gibt es zumindest theorethisch ein Recht auf eine quasi "Atempause", eine Pause also zum Durchschnaufen. Die hatten wir nicht! Kein Wunder also, dass Lehrer und Schüler zugleich über Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme klagten. Ein Zustand, wie ihn vielleicht auch so mancher Politiker, der die Maskenpflicht ohne Ausgleichsmaßnahmen fordert, erlebt haben sollte..

 

Nach zwei Wochen durften wir die Maske im Unterricht abnehmen, und das obwohl wir keine Abstände halten (können). Wir sitzen dicht an dicht. Draußen jedoch, in der Pause, sollen wir dann Abstände halten... und zwar MIT Maske. Wie ist das zu erklären? Was macht das für einen Sinn? Und wo ist ohne Maske und Abstand bitte die Risikofreiheit? Für welche Hygienemaßnahmen loben sich die Politik, Gesundheitsämter und die Schulleitungen hier eigentlich genau?

 

Was ich überhaupt nicht lustig finde, ist, dass sich bei der Schule auf den 3-Punkte-Plan berufen wird. Der sieht zwar vor, bei wie vielen Infektionen im Landkreis die Masken wieder im Unterricht getragen werden müssen, nicht aber so essenzielle Dinge, wie genau Schulen z.B. auf dem Gang Abstände möglich machen müssen. All das sind frei auslegbare Erwartungen, keine Verpflichtungen. Daher läuft das auch nicht. Hier hat die Politik bisher veräumt, ins Detail zu gehen, um Schulen den Alltag mit viel zu engen Gängen und viel zu vielen Schülern auf wenig Raum zu erleichtern.

 

 

Und nun? Läuft bei uns...!

 

In der Stadt Rosenheim hatte der Inzidenzwert zunächst zum wiederholten Male die Zahl von 35 gesprengt, bei der erste Maßnahmen unternommen werden sollen. Das hieß für uns nach etwa nur einer Woche: wieder Maske tragen im Unterricht. Die Infektionszahlen sind, wie ich erwartet hatte, innerhalb eines Tages sprunghaft angestiegen, von 37 auf fast 70. Und sogar der Landkreis Rosenheim, der bisher noch recht gute Zahlen im Vergleich zu den hohen der Stadt hatte, hatte die 35 recht deutlich gesprengt. Trotzdem galt die Maskenpflicht nicht sofort, sondern erst ab Montag. Welchen Unterschied gibt es da, dass trotz dramatischer Infektionslage und für sich sprechender Zahlen der einzig richtigen Maßnahme Aufschub gewährt wird? Was unterscheidet die bedenkliche Lage am Freitag und die immer noch bedenkliche Lage am Montag so sehr, dass hier unterschiedliche Ansätze gelten? Ich tue mir mittlerweile sehr schwer, Sinn und Verstand nachzuvollziehen.

 

 

 

Lüften und Desinfektion gab es doch auch noch, oder...?!

 

Bild einer Treppe aus Metall, vor der etwas Laub liegt

 

Richtig, im Mai noch furchtbar wichtig und unerlässlich, kommen die Desinfektionsmittelflaschen im Klassenzimmer heute kaum mehr zum Einsatz. Klassenzimmerwechsel finden ohne sofortigen Luftaustausch oder Reinigung der Tische statt und das obwohl hier sogar Leute ihr Essen oder benutzte Taschentücher darauf ablegen. Ekeleregend und vor allem, trotz Zweifel an der Übertragung über Oberflächen, ein Punkt, der Signalwert hat und die Ernsthaftigkeit der Lage zeigt.

 

Und auch um das Lüften ist es nicht sonderlich gut bestellt: Man bekommt in vielen Klassen die Fenster kaum auf, weil die Räume so klein sind, dass sonst nicht alle Tische hineinpassen würden. Die Tür aber lässt sich auch nur unter Schwierigkeiten wirklich sinnvoll offenhalten und mein Klassenzimmer liegt noch dazu in einem mit einer weiteren Tür abgetrennten Bereich des Schulhauses. Luftzirkulation geht da nur bis vor die Klassenzimmertür, weiter nicht. Die Effektivität möchte ich daher stark anzweifeln. Zugute halten möchte ich allerdings: Meine Schule hat einen Erinnerungsgong, der uns alle 30 Minuten soll er ans Lüften erinnert. Doch selbst bei Klassenwechseln: Sofort gelüftet wird meist nicht und so sitzt man erstmal bis zum nächsten Gong im konzentrierten Aerosol der vorherigen Klasse!

 

Auch schwierig: Die Einbahnregelungen. Die FOS hat festgelegte Wege, wo man bei der einen Treppe nur raufgehen darf, bei der anderen nur runter. Bis vor kurzem war das "runter" nur auf einer einzigen Treppe erlaubt. Die Folge war, dass sich sowohl Schüler, als auch (traurigerweise) Lehrer im Pulk nach Unterrichtsende auf diese Treppe gezwängt haben. Keiner hat gewartet, niemand Abstände berücksichtigt, teilweise wurden sogar die Masken trotz Verbot abgenommen. Eng ist es auch und das alles verleitet viele dazu, die Regelungen zu missachten und auch andere Treppen entegegen der vorgeschrieben Richtung zu nutzen. Mein Psychologie-Lehrer hat sich dem angenommen und droht Schülern immer mit lachendem und weinendem Auge, den Führerschein abzunehmen. Ich allerdings finde das nicht lustig, denn regelmäßig quetschen sich an mir Schüler vorbei und daher spreche ich die Regelverstöße regelmäßig an. Zudem ist ebendiese Treppe noch aus einem anderen Grund sehr problematisch: Sie ist sehr rutschig, gerade beim momentanen Herbstwetter. Anti-Rutsch-Auflagen, die seit Jahren angedacht waren, dürfen nicht angebracht werden, da der Architekt des Gebäudes dies boykottiert. Es würde wohl das Gesamtbild stören, oder was? Anscheinend muss erst was passieren, denn es ist wirklich sehr gefährlich. Die Schule scheint hier machtlos, dem Kunstzweck sei Dank.

Was ich von dem offenen Brief des ESEB über die FOS halte:
 

Am 6. Oktober veröffentlichte rosenheim24 einen Brief des Rosenheimer Vereins ESEB (Engagierte Eltern-Schüler-Bürger), in dem dessen Sprecherin Teresa Pöller die katastrophale Lage an der FOS beschrieb.

 

Hier ist der Link zum Artikel über den offenen Brief des ESEB

 

In Reaktion darauf nahm mein Schulleiter, Dr. Marco Hunger dazu Stellung, kritisierte die Vorwürfe teils scharf und wies sie zurück. Frau Pöller hatte alarmierende Worte gefunden und kritisierte unter anderem das Nebeneinandersitzen ohne Abstand und Maske, was ja eine Zeit lang in Ordnung gewesen war, und warnte vor einer Schulschließung. Auch mahnte Frau Pöller, die Digitalkompetenz sei noch nicht bei jedem Lehrer vorhanden.

Die Vorwürfe, die Schulleiter Dr. Hunger so bestimmt zurückweist, sind teils aber doch sehr berechtigt, wie ich finde. Die WLAN-Verbindung war, entgegen Hungers Aussage, in den letzten Wochen wirklich katastrophal, Probleme beim Einloggen waren nur die kleineren Übel. Wer sich mit seinem Schulaccount für Office 365 im WLAN - wie gedacht - einloggen konnte, hatte oft eine stark schwankende oder gar keine Verbindung. Nicht einmal Lehrkräfte konnten über das neu eingerichtete System die digitale Anwesenheitsliste kontrollieren, so schlecht war der Empfang. Auf Mobilfunknetze kann, je nach Anbieter nicht zurückgegriffen werden, da das Schulgebäude die Netze zu stark abschirmt. Erst seit ein paar Tagen läuft es besser, aber noch immer können nicht alle Schüler das WLAN nutzen. 

 

Ja, es läuft nicht alles perfekt. Und es gibt auch immer noch Lehrer, die mit der Technik nicht vertraut sind oder das anscheinend auch gar nicht lernen wollen. Fakt ist aber: Die FOS Rosenheim hat digital massiv aufgerüstet und steht damit im Vergleich zu anderen Rosenheimer Schulen sehr gut da. Allerdings: Die Probleme, die es gibt, sind eklatant und müssen schnellstmöglich behoben werden. Gutes WLAN für Recherchen und Digitalkompetenz sind zwingend erforderlich, gerade dann wenn es wieder auf einen Lockdown zugeht, wie befürchtet. Da müssen selbst die Lehrer über ihren Schatten springen, die der Technik nichts abgewinnen können... hilft halt nichts!

 

In den Toiletten war es in der FOS so, dass vieles schief lief. Es gab weder funktionierende Papiertuchspender, noch wurde das Klo vormittags geputzt. Die Papiertücher standen oft als lose Rolle auf dem Waschtisch, wurden von jedem zum Abreißen eines Papiers angefasst. Hygiene also dahin. Und auch hinterher geputzt wird nicht, es fasst also jeder die Klobrille des Vordermanns an und setzt sich auf eine ungereinigte Fläche. Sehr hygienisch, da graust es mich auch ohne Corona vor.  Für Papiertücher gibt es zwar inzwischen teils elektische Spender, die automatisch Tücher ausgeben, leider funktionieren diese aber nicht immer oder werden von den Schülern mangels Beschriftung nicht als solche erkannt und dann nicht benutzt. Denn ehrlich gesagt, wenn kein Papier unten heraushängt ist der Automat nur schwer als funktionstüchtig erkannbar. Und so erfolgt auch nach wie vor oft der Griff zur Rolle auf dem Waschtisch.

 

Bild eines Waschtisches, auf dem neben dem Becken eine Rolle Papiertücher steht

Den Maskenvorwurf hatte ich eingangs erwähnt, auch ich finde das schwierig, allein als Symbolcharakter. Denn fällt die Maske erst in der Schule, sinkt die Hemmschwelle, sie auch sonst nicht konsequent zu tragen. Der Schutzeffekt ist damit dann auch wieder fraglich, denn bekanntlich reicht in Corona-Zeiten ein einziger Superspreader und alle sind betroffen. Auf die Masken angesprochen, muss ich leider entgegen Dr. Hungers Aussage mitteilen: Weder auf dem Gang oder draußen, noch in den Toiletten oder Klassenzimmern werden die Masken konsequent getragen. Sehe ich in verschiedene Klassen vor Unterrichtsbeginn, fällt eines auf: Die Maske fehlt. Bis ein Lehrer vorbeikommt, dann geht es plötzlich sehr schnell. Und auf dem Gang hat man mittlerweile wie draußen die Ausrede zu schätzen gelernt, dass man ja gerade trinke oder esse. Und die Toiletten scheinen wie der letzte Ausfluchtsort für ein weiteres kurzes Abnehmen der Maske. Regelmäßig spreche ich hier Schüler an, die mit Unverständnis reagieren. All das Dinge, die natürlich "super" laufen... Die ultimative Form der Regelausflucht ist einfach das Verlassen des Schulgeländes. Auf dem Parkplatz der angrenzenden Fachhochschule versammeln sich in jeder Pause zahlreiche Schüler*innen zum Rauchen oder gemütlich Beinanderstehen. All das meist ohne Abstand, vor allem aber ohne Maske. Die zuvor gedachte Vermeidung der Vermischung von Klassen, hier ist sie völlig hinfällig. 

 

Was mich noch wundert, ist die Aussage meines Schulleiters, wie sie von rosenheim24 zitiert wurde: "[...] Im Gegensatz zu anderen Schulen habe man noch keine Schüler in Quarantäne schicken müssen. „Das liegt auch ganz besonders daran, dass unsere Schüler gut mitziehen“, so Hunger [...]". Sehr wohl mussten wir schon Klassen in Quarantäne schicken, im September eine ganze 12. Klasse des Sozialzweigs, da hier ein Schüler der Klasse positiv auf Corona getestet wurde. Und jetzt ist es wieder passiert: Am 15. Oktober 2020 informiert das Landratsamt auf seiner Webseite: "FOS/BOS Rosenheim: Eine Person wurde positiv getestet, 19 Personen wurden als enge Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt."

 

All diese Dinge und die dennoch als harmlos kommunizierte Lage an der FOS stimmen mich bedenklich, zugleich aber verärgert und auch ängstlich. Ängstlich vor einer gar nicht mehr so unwahrscheinlichen Infektion, verärgert über die Sorglosigkeit und Komfortprobleme mancher Mitmenschen wegen Maske und Co., und bedenklich gegenüber der Eskalation der Lage in Deutschland.

 

Am 14. Oktober war der BR zu Gast in der FOS und hat unter anderem auch den Direktor interviewt. Dieser hatte zuvor noch eine sehr bezeichnende Durchsage gemacht, die Ausdruck der Hilfslosigkeit der Schulen ist, die durch fehlende Detailplanung und mit schwammigen Maßnahmen völlig alleine gelassen wurden und sich überhaupt nicht angemessen auf die Situation vorbereiten konnten: Die Schüler sollten sich doch aufgrund des Besuchs des BR besonders gut an die Maßnahmen und Regeln halten. So wie sie es sonst auch täten. Traurige Tatsache: Die Bitte darin zeugt eigentlich nur von der oft verantwortungslosen Haltung mancher Mitbürger, die keinen Bock auf Corona haben und die Regeln vorsätzlich missachten. Die Schule steht dann oft kopfschüttelnd da und gibt ihr Bestes, die Lage in den Griff zu bekommen. Das ist spätestens aber da aussichtslos, wo auch solche, die trotz der Anweisung bei Symptomen 24h zuhause zu bleiben, in die Schule kommen. Sie sind Zeichen der neuen Sorglosigkeit, die ich wahrnehme. Anscheinend sind wir hier bisher zu gut weggekomemen - es muss wohl erst richtig scheppern.

 

Was ich allerdings auch noch sagen muss: Frau Pöller war bei all den Aussagen, denen ich zustimmen kann, nicht immer richtig informiert: Die FOS hat weder 1500 Schüler, noch ist sie eine der größten Schulen Bayerns, höchstens des Landkreises. 

 

 

 

Das Abitur 2020

 

...bzw. für mich Fachabitur. Lange Zeit war es weder für Schüler, noch für unsere Lehrer klar, ob es überhaupt stattfinden würde. Meine Redaktionskollegin Franzi schrieb damals kurz nach mir in ihrem Artikel über die Schulsituation von unserer Schullaufbahn als Schulbus. Das hat das Ganze, wie ich finde, sehr gut beschrieben. Das war in den letzten 2 Wochen vor unserem Fachabitur und zeigte ganz gut den Mangel an Informationen, den wir hatten, zum ob und wie der nahenden Prüfung. Nach unseren Artikeln ging es dann plötzlich doch ganz schnell:
Nach 3 Tagen hatten wir konkrete Raum- und Aufteilungspläne von unserer Schule erhalten. 

 

Und kurz darauf ging es ja auch schon los: Die Prüfungen wurden abgehalten, zwar in halber Klassenstärke und mit extra angemieteten Räumen in der angrenzenden Fachhochschule Rosenheim, aber man schien es durchziehen zu wollen. Die Überraschung kam, als wir diese Prüfungen auf dem Tisch liegen hatten. Alle Prüfungen wurden nicht angepasst, die darauf abgedruckten Daten entsprachen den ursprünglichen Terminen. Also kein Nachteilsausgleich, keine angepasste Prüfung, obwohl einige Schüler in Bayern nicht allen Stoff geschafft hatten. Für uns Schüler, war das ein Signal, dass sich die Erwachsenen durchgesetzt haben und keiner unsere Sorgen ernstnahm. Für Schüler, wie aber auch Lehrer, so denke ich, war das eine so außergewöhnliche Situation, die auch eine außergwöhnliche Handhabung erfordert hätte. Es gab Schüler, deren Eltern wirtschaftliche Probleme massivster Art hatten und haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Abitur wirklich in dieser Form für solche Bedingungen geeignet war.

 

Doch nicht nur das, trotz nicht erfolgter Anpassung, heißt es schon jetzt in der Gesellschaft, wir hätten ein "Weichspüler-Abi". Nun, eines kann ich mitteilen, für dieses und für letztes Jahr: Wir haben überhaupt keine einfachen Bedingungen, wir haben Corona, mit seinen wöchentlich wechselnden Anforderungen oder Maßnahmen dagegegen und trotz Lehrplan-Kürzungen ist das Abi immer noch genauso knackig. Und im Übrigen haben wir an der FOS für die gleichen Aufgaben im abiturrelevanten Seminar genau dieselben Zeitpunkte für Zwischenstand und Abgabe, haben aber bedeutend später erst begonnen mit unserem Seminar. Gleiche Arbeit in weniger Zeit. Hier kann ich die Behauptung vom Weichspüler-Abi so gar nicht nachvollziehen!

Meine Warnung

 

Versteht diesen Text auch ruhig als Brandbrief oder offenen Brief, als eine um Abhilfe suchende Warnung. Warnung vor erneuten Schulschließungen (die wir alle nicht wollen), vor Chaos, vor allem aber als Warnung vor möglichen schwerwiegenden Infektionen mit Corona oder SuperSpreading-Ereignissen. Wenn ich von dem Leid solcher erfahre, welche Corona hatten, ihren Kampf gegen das Virus fast verloren hätten, dann stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf. Spätestens hier ist für mich der Zeitpunkt vorbei, wo Nachlässigkeiten noch auf Verständnis bei mir treffen. Das, wie es teilweise passiert ist einfach nur grob fahrlässig. Bei solchen schlimmen Bildern von Kranken in dieser Zeit muss es uns doch am allerwichtigsten sein, unser maximal möglichstes gegen das Virus zu unternehmen. Und zusammenzuhalten. Wer noch immer glaubt, Corona existiert nicht oder Komfortprobleme mit dem Maske-Tragen hat, der möge sich doch bitte einfach mal die BR-Doku des Formats "report München" vom 04.08.2020 ansehen und für sich überlegen, ob er diese Last mit sich tragen kann, womöglich jemanden angesteckt zu haben, weil er die Maske wegließ, den Abstand nicht hielt oder einfach mal wieder "Bock auf normales Feiern" hatte und deswegen alle Regeln missachtete. Wer das mit seinem Gewissen noch vereinbaren kann, den kann ich nicht länger verstehen. Alle anderen sorgen bitte schnellstmöglichst dafür, ihr Verhalten der Situation gerecht anzupassen. Heißt: Abstand, Maske und Regeln einhalten. Wann immer möglich und wann immer nötig!

 

Und an die Schulen, vor allem aber das Gesundheitsamt Rosenheim und die Staatsregierung von Bayern: Eure Regelungen sind nur so lange sinnvoll, wie sie nachvollziehbar sind. Wenn immer weniger Leute sie verstehen, werden sie auch immer weniger eingehalten werden. Vor allem aber muss Schluss mit Kuschelkurs sein. Wer die Maske aus Komfort verweigert, wer Blanko-Atteste unterstützt oder sogar ausstellt und wer auf die Hygieneregeln vorsätzlich keine Rücksicht nimmt (z.B. zum sorglosen Feiern), der muss dafür auch eine empfindliche Reaktion, wie ein Bußgeld erfahren! Anders lernen wir es wohl nicht. Auch für Schulen muss hier eine Lösung gefunden werden, denn momentan verläuft hier die Einhaltung von Hygienemaßnahmen auf "Bitte Bitte", Appelle und sonstige frei auslegbare und konsequenzfreie Angaben. In Zeiten von Corona kommt es auf jeden an! Ein einziger, der sich nicht dran hält, kann alle anderen, die die Regeln einhalten, mitanstecken. Dessen müssen wir uns ganz dringend nachhaltig bewusst werden!

 

Cheers