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Foto: 57 verschiedene Postkarten (eingescannt und aufgereiht in 5 Zeilen)

Welche ist dein Favorit? | Foto: Flo S.

Artikel von Flo S.
Bereich
Freizeit
Veröffentlicht
12.09.2022

Postkarten sind wieder in!

Für viele gehören Postkarten der Vergangenheit an, vor allem bei uns U20. Doch ich finde das schade, für mich hat es ein ganz besonderes Gefühl, von Freunden oder Verwandten über ein Stück Pappe mit überteuerter Briefmarke und zu kleiner Textfläche Urlaubsgrüße zu erhalten. Oder auch von völlig fremden Leuten! Glücklicherweise gibt es für diese komische Vorliebe noch Hoffnung, und zwar im Internet!

Auf der Website Postcrossing tauschen seit 2005 mehr als 800.000 Nutzer aus aller Welt regelmäßig Karten aus. Seit der Gründung durch Paulo Magalhães sind mehr als 50 Millionen Postkarten in 204 Länder verschickt worden. 50 Millionen, das sind so viele wie Spanien Einwohner hat! Die letzten 12 Monate habe ich dokumentiert, wie viele Postkarten der Postbote "liebevoll" in meinen Briefkasten gestopft hat.

"Vergiss ja den Code nicht!"

Vor gut eineinhalb Jahren stolperte ich durch Zufall auf das Onlineprojekt Postcrossing, als ich auf der Suche nach Briefmarken war. Darüber kann man einer völlig fremden Person in einem zufällig gewählten Land eine Postkarte schicken und im Gegenzug erhält man von einer anderen Person ebenfalls eine. Auf der Webseite erfährt man nicht viel über die Zielperson, nur einen kleinen persönlichen Text, in dem jeder etwas über sich und seine Lieblingsmotive schreibt. Für jede Karte erhält man einen Code, bestehend aus dem Länderkürzel des Absenders und einer aufsteigenden Nummer. Diese schreibt man auf die Karte drauf. Der Empfänger trägt sie dann auf der Website ein und hat somit die Karte offiziell erhalten. Man sieht die Dauer des Versands, das Herkunftsland und das Profil des Absenders. Falls man vergisst, den Code auf der Karte zu vermerken, ist sie so gut wie verloren. Der einzige Weg, um sie noch zu retten, ist, den Support nett zu fragen, ob er nicht einmal einen Blick in die Datenbank werfen und einem den Code zuflüstern kann. Habe damit auch schon Erfahrung ;)

Eine Flut an Karten

Im April des vorletzten Jahres probierte ich es aus und erhielt kurz darauf meine erste Antwort von einer älteren niederländischen Dame. Aber nach ein paar weiteren Erfolgen verlor ich das Interesse aus verschiedenen Gründen, unter anderem der langen Dauer bis eine Karte endlich ankommt. Dies kann sich nämlich in einigen Fällen um mehrere Monate handeln. Doch im September entdeckte ich die Website beim Ausmisten meines Computers wieder und verliebte mich erneut in den anonymen Postkartenaustausch. Deshalb beschloss ich, wieder aktiver zu werden, zunächst um die Langeweile zu überstehen, später aus voller Überzeugung. In den letzten 12 Monaten erhielt ich ganze 57 Karten aus 22 Ländern! Parallel dazu verschickte ich fast genau so viele selbst in die letzten Ecken unseres blauen Planeten.

Eine Karte, welche sogar kalte Herzen erwärmt

Unter den tausenden Karten war es schwer, mich für einen Favoriten zu entscheiden, aber eine, welche im Januar meinen Briefkasten beschwerte, hat mich tief berührt. Auf den ersten Blick war sie recht unscheinbar - die Innenstadt Torontos im Winter. Doch als ich die Karte umdrehte, war ich überrascht. Der Text war etwas krakelig geschrieben und unten stand in einer anderen Schrift "#downsyndromeawarness". Die Verfasserin der Karte war eine junge Dame, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Eine Chromosomenstörung, bei der anstatt der üblichen zwei Chromosomen Nummer 21, drei vorhanden sind. Dadurch wird die geistige und körperliche Entwicklung stark eingeschränkt. In ihrem Profil schrieb sie, dass Postkarten für sie eine sehr große Freude sind und sie von ihnen aufgemuntert wird. Danach habe ich die Profile der anderen Karten, welche ich erhalten habe, durchgeschaut und gemerkt, dass ein Teil der Nutzer krank und/oder so alt sind, dass sie nicht viel unternehmen können. Deshalb sind Postkarten für sie wichtig. Einige schicken sogar mehr als tausend pro Jahr. Für Viele sind diese Karten nicht nur ein kleines Hobby, sondern viel mehr ein Stück Normalität und Trost in einem schweren Leben.

Die günstigste Weltreise allerzeiten!

Insgesamt reisten alle Postkarten, die mich in den 12 Monaten erreichten, stolze 224.353 Kilometer - das wären etwas mehr als fünf Weltumrundungen. Die längste Distanz legte eine Karte aus Australien zurück: ganze 15.960 Kilometer in nur 16 Tagen. Am meisten Karten verschickte ein deutscher Nutzer namens Willi, und zwar ganze 35 Tausend Karten mit 116 Millionen Kilometern! Es kostet 75 Cent, um von Australien eine Postkarte ans andere Ende der Welt zu schicken, falls ich antworten würde, wären es 1,10 Euro. Trotz der geringen Preise schicken immer weniger Leute Postkarten.

 

Probier doch mal Postcrossing aus, es ist unkompliziert und macht sehr viel Spaß! 

 

 

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