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Foto: Untersichtig: Hochhäuser im Abendrot

Neue Heimat USA | Foto: Anna G.

Artikel von Anna G.
Bereich
Heimat
Veröffentlicht
05.09.2021

Goodbye Raubling 3: Mein American Dream hat begonnen

Seit gut einem Monat lebe ich nun in den USA. Einen Monat lang Englisch reden, eine indische Gastfamilie, scharfes Essen, endlose Landschaften, gigantische Supermärkte, Bostons Skyline, der Atlantik und geniale Kurse an der Highshool. Es gibt schon wieder einiges zu erzählen! 

 

Foto: Selfie von Anna mit ihrer Gastfamilie
Selfie mit Gastfamilie

Nach monatelangen Vorbereitungen wurde es am 11. August ernst. Von meinen Eltern habe ich mich am Flughafen München verabschiedet, um dann über Frankfurt nach Boston zu fliegen. Im Flugzeug waren auch noch andere Austauschschüler, die ich von einer Online-Vorbereitung kannte. Aber leider musste ich mich mit einem Platz in der mittleren Reihe neben fremden Leuten abfinden. Dabei wäre ich so gerne am Fenster gesessen... Doch überraschenderweise setzte sich ein Mädchen (Alina) neben mich, die in den USA ein Au-pair-Jahr macht. Das war echt super, denn so hatte ich letztlich doch jemanden neben mir, der gerade das gleiche erlebt wie ich. Zufälligerweise wohnt sie auch bei einer indischen Familie und sogar in meiner Nähe. Wir haben uns auf dem langen Flug viel unterhalten und durften sogar auf frei gebliebene Plätze umziehen, so dass ich die Landung in Bosten tatsächlich doch noch vom Fenster aus bestaunen konnte! In Boston gelandet musste ich durch einen Sicherheitscheck. Dann war es endlich so weit. Nachdem ich mein Gepäck vom Band geholt hatte, atmete ich tief durch. Nun würde ich zum ersten Mal meine „neue Familie“ sehen. Ich war im Wechselbad der Gefühle: Totale Freude und Aufgeregtheit, aber auch etwas Angst, da ich nicht wusste, was mich genau erwartet. Aber ich wurde herzlichst empfangen! Ich war also nun in den USA – meiner Heimat für die nächsten 10 Monate. In meinem neuen Zuhause habe ich ein tolles Zimmer bekommen, in dem ich mich wohlfühle. Auch der Hund und die Katze des Hauses haben mich aufgeregt begrüßt. Am ersten Abend bin ich schließlich total erschöpft ins Bett gefallen. Durch die Zeitverschiebung und den Jetlag konnte ich allerdings nicht gut schlafen. Ich war noch zu aufgeregt.

 

Am nächsten Tag sind wir Lebensmittel einkaufen gefahren. Dort habe ich festgestellt, dass alles größer ist als zu Hause. Der Laden an sich ist riesig, aber auch die Einkaufswägen und Lebensmittel sind größer als in Deutschland. Es gibt viele Fertigprodukte und Snacks, die es in Deutschland nicht gibt, zum Beispiel Snackboxen die auf einer Seite mit Käse und auf der andere mit Nüssen, Rosinen und Schokolade gefüllt sind. Aber nicht alles in dem Land ist Junkfood und ungesund. Wir waren auch in einem riesigen Biomarkt mit einer enormen Auswahl an gesunden Lebensmitteln. In Massachusetts gilt übrigens keine Maskenpflicht, trotzdem tragen viele Leute eine Maske zur Sicherheit.

 

Drei Tage nach meiner Ankunft haben wir einen Ausflug nach Boston gemacht. Nach der rund 30-minütigen Fahrt haben wir einen kurzen Halt in Cambridge bei dem alten Büro meiner Gastmutter gemacht. Sie arbeitet bei Amazon und ihr aktuelles Projekt ist der Amazon Dash Cart. Das ist ein Einkaufswagen, der erkennt, welche Produkte man reinlegt. Wenn man den Laden verlässt , wird die Summe automatisch von dem Konto abgebucht, das man anfangs mit einem Barcode hinterlegt hat. Es war sehr interessant, so ein modernes Büro zu sehen und ich hatte von dort eine super Sicht auf die Skyline von Boston. Mit der frischen Meeresbrise im Gesicht am Hafen entlang spazieren, im Hintergrund die Skyline der Stadt... An Boston hat mich am meisten beeindruckt, dass diese große Stadt sehr sauber und gepflegt ist. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich hier in einer kleineren Stadt lebe, da es so viel leichter ist, neue Bekanntschaften zu schließen.

Foto: Anna im Supermarkt mit zwei gigantisch großen Popcorn Tüten

 

Mit meiner Gastfamilie haben wir auch schon andere Bundesstaaten der USA besucht, zum Beispiel Rhode Island. Rhode Island ist der kleinste Staat in ganz Amerika. Dort waren wir in Newport, einer Stadt an der Ostküste rund 100 km südlich von Boston. Wir haben uns „The Breakers“ angeschaut – eine prunkvolle Villa mit 70 Schlafzimmern! Hier wurden schon Filme wie The Great Gatsby, True Lies, und Amistad gedreht. Mein Lieblingsteil der Villa ist der Balkon mit der großartigen Aussicht aufs Meer. Als ich dort stand, habe ich mich frei gefühlt und alles um mich herum für einen Augenblick vergessen. Am Pier von Newport gibt es viele Restaurants mit Livemusik und dort wimmelt es nur so von Menschen. In New Hampshire, einem weiteren Nachbarsstaat, waren wir zum Wandern – das war das komplette Gegenteil: Natur soweit das Auge reicht.

Foto aus einem Fenster auf viele Hochhäuser / die Skyline von Boston

Foto: Torbögen an einer Terrasse und dahinter ein Blick auf den blauen Ozean

Foto: Ausblick in ein weites grünes Tal

Da es in Wayland draußen so warm ist, ziehe ich mich dementsprechend leicht an, doch drinnen sind die Klimaanlagen so kalt eingestellt, dass es einen schon fast friert. Dadurch habe ich eine Erkältung bekommen und lag ein paar Tage im Bett. Da habe ich mein Zuhause, meine Eltern und meine Freunde schon etwas vermisst. Richtiges Heimweh hatte ich zum Glück noch nicht, aber es gab Momente, die ich gerne zusammen mit meinen Eltern erlebt hätte, wie die Ausflüge. Es ist eine enorme Umstellung, von heute auf morgen ein komplett neues Leben zu haben. Natürlich gilt das gleiche für meine Freunde, aber zum Glück gibt es ja viele Möglichkeiten, um in Kontakt zu bleiben. Außerdem habe ich hier schon die ersten Personen, mit denen ich mich super verstehe. Die Leute sind sehr offen. Darum hatte ich bisher noch keine Schwierigkeiten, neue Leute kennen zu lernen. So wurde ich schon von ein paar Mädchen aus meiner Schule zu einer Party eingeladen. Das war ein toller Tag! Als erstes haben wir ein paar Spiele wie Volleyball gespielt. Danach haben wir Pizza gegessen und ein Lagerfeuer angezündet. Dort habe ich das erste Mal Smores gemacht. Dabei bräunt man ein Marshmallow über dem Feuer und packt es dann zusammen mit Schokolade zwischen zwei Kräcker. Leider blieb es nur beim Machen. Marshmallows haben Gelatine und somit kann ich sie als Vegetarierin nicht essen. Dabei war ich aber zum Glück nicht allein, denn ein anderes Mädchen ißt auch vegetarisch. Danach haben wir das Spiel „Gartic Phone“ gespielt, bei dem man – wie bei der Stillen Post – ein Begriff oder einen Satz von Spieler zu Spieler weitergibt. Dabei wird die Information wie bei Montagsmaler als Zeichnung transportiert. Währenddessen wurden wir von einem Haufen Mücken heftig attackiert. Deshalb sind wir nach drinnen umgezogen und haben „Werwolf“ gespielt, was echt lustig war. Es gibt andere Regeln, von denen ich noch nie etwas gehört hatte und die das ganze Spiel auf den Kopf stellen.

Foto: Anne und ihr Gast-Bruder in einer Mall mit einem Smoothie in der Hand

In meiner Freizeit mach ich oft was mit meinem Gastbruder und seinen Freunden die langsam auch meine Freunde werden. Eines der Mädchen aus dem Freundeskreis ist in meiner Klasse. Mit ihr verstehe ich mich am besten, da sie in meinem Alter ist. Außerdem gehen wir oft essen oder sind bei Freunden zum Essen eingeladen. Die Fahrten hin und zurück sind total cool, da meine Gastfamilie es liebt, die Musik laut aufzudrehen. Alle singen laut mit und es herrscht eine großartige Stimmung. Mir fällt auf, dass die Nachbarschaft hier sehr herzlich miteinander verbunden ist. Es finden oft Nachbarschaftstreffen und gemeinsame Essen statt. Ich wurde auch gleich zu einer Pool-Party mit anderen Kids eingeladen.

Etwas ungewohnt für mich ist natürlich das Englisch sprechen. Richtig Probleme beim Verständigen habe ich nicht, aber manchmal weiß ich bestimmte Wörter nicht. Dann benutze ich einen Übersetzer oder frage nach. Ich merke aber, dass es von Tag zu Tag leichter wird mich zu verständigen! Eine andere Sache, an die ich mich erst noch gewöhnen muss, ist das Essen. Ich spreche hier nicht von dem typisch amerikanischen Essen, sondern von dem indischen Essen meiner Gastfamilie. Ich konnte nie besonders scharf essen, deswegen ist das für mich gerade so etwas wie eine Challenge. Meine Gastfamilie achtet aber darauf, dass mein Essen nicht zu scharf ist und falls ich doch mal ein Gericht nicht essen kann, bekomme ich etwas anderes.

 

Viele Klamotten konnte ich ja nicht nach Amerika mitnehmen, deswegen sind wir in eine riesige Shoppingmall gefahren. Dort gibt es viele Läden, die es in Deutschland nicht gibt, z.B. einen Amazon Laden. Da werden Sachen verkauft, die auf der Amazon-Plattform vier Sterne oder mehr haben. Davon hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. Ich habe dort allerdings nichts gekauft. Die Preise für Klamotten sind im Vergleich zu Deutschland etwas billiger.

 

Obwohl die Schule hier noch nicht angefangen hat, war ich schon in meiner High School und habe meine Kurse gewählt. Neben den Pflichtfächern habe ich "Guitar" und "Music Production" gewählt. Es gibt eine riesige Auswahl an Wahlfächern. Der Stundenplan ändert sich nach einem viertel Jahr und man wählt andere Fächer. Außerdem kann man Clubs beitreten, wie zum Beispiel dem "Mog Trial Club", bei dem man einen Rechtsfall lösen muss und dabei in Rollen von Richtern, Angeklagten usw. schlüpft. Ich habe von Freunden auch eine Tour durch meine Schule bekommen: Es gibt zwei Hauptgebäude, eine Sporthalle und viele Sportplätze für verschiedene Sportarten. Außerdem gibt es eine Bücherei, ein Fitnessstudio, die Study Hall (ein Ort, an den man während Freistunden gehen kann, um zu lernen), Krankenzimmer, eine typische Cafeteria wie man sie aus Filmen kennt, ein Theater und SLC´s (Small Learning Communitys). SLC ist so etwas ähnliches wie die Study Hall, nur mit dem Unterschied, dass man sich dort unterhalten darf. Es gibt auch mehrere Musikräume, in die man gehen kann, wenn man z.B. allein ungestört Gitarre spielen möchte.

 

Ich melde mich wieder, wenn die High School richtig angefangen hat. Dann gibt es bestimmt wieder viel zu erzählen.

Beste Grüße aus Wayland! Eure Anna

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