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Foto: im Vordergrung zwei schwarze Vögel, im Hintergrund zwei offene Zelte auf einem abgesperrten Parkplatz sowie ein Container der Feuerwehr

Das Corona-Test-Zentrum auf der Lorettowiese in Rosenheim | Foto: aROund

Thema
Wissen
Redakteur | In
Lena W.
Veröffentlicht
11.06.2020

Corona: Ich wurde getestet

Im April 2020 sind in Deutschland fast 1,5 Millionen Menschen auf Corona getestet worden. Eine davon war ich. Weil ich vor dem Test selbst kaum Infos darüber hatte, wie sowas abläuft, erzähle ich euch, was ich dabei erlebt habe: 

Mittwoch, 15. April 2020: Ich beginne zu husten und weiß nicht warum. Zuerst denke ich mir nichts dabei, nach dem Motto "einfach mal abwarten".

 

Donnerstag, 23. April 2020: Das Abwarten hat nichts gebracht: Ich hatte die ganze letzte Woche sehr starken Husten. Nächste Woche soll für mich die Schule wieder anfangen.
Aber jetzt weiß ich nicht, ob ich Corona habe oder nur einen Husten. Und mit Corona Symptomen darf man nicht in die Schule. So steht es auf einem Infozettel meiner Oberstufenkoordinatorin. Also rufe ich meinen Arzt an. Der sagt sofort, dass ich einen Corona Test machen muss. Er erklärt mir, dass es auf der Lorettowiese in Rosenheim eine Teststation gibt, bei der er einen Termin für mich ausmachen kann. Darauf willige ich natürlich gleich ein. Außerdem soll ich am besten noch heute zur Praxis kommen und das Abstrich Set abholen. Das mache ich dann auch. Als ich die Praxis erreiche, bekomme ich auch ein Attest für die nächste Schulwoche. Mein Arzt erklärt mir, dass ich das Abstrich Set mit zu meinem Termin bei der Lorettowiese nehmen muss. Es ist eine Art Wattestäbchen, welches in einem kleinen Fläschchen verpackt ist, welches wiederrum ist in einer Tüte verpackt ist. Zum Schluss erklärt mir mein Arzt noch, dass ich das Abstrich Set wieder bei ihm abgeben soll, wenn ich den Corona Test gemacht habe. Also fahre ich mit Attest und Abstrich Set wieder nach Hause und warte auf den Anruf der Teststation auf der Lorettowiese. In die Schule gehe ich nächste Woche also doch noch nicht.


Freitag, der 24. April 2020: Ich habe den Termin um 14 Uhr auf der Lorettowiese. Meine Mama fährt mich hin. Vor Ort befinden sich zwei weiße Zelte, vor denen eine Schlange Menschen wartet. Eine Person in orangefarbener Schutzkleidung hält ein Medizinerbrett in der Hand und redet mit den wartenden Menschen. Meine Mama und ich warten im Auto. Uns wurde gesagt, dass man den Test auch im „Drive Through“ machen kann. Kurz nach 14 Uhr kommt der orangene Mann auf unser Auto zu. Ich lasse die Scheibe nach unten fahren und begrüße ihn. Er stellt sich vor, er heißt Ralph, und stellt mir Fragen zu meinen Symptomen.

 

"Hatten Sie Kontakt mit einer Corona infizierten Person?", ist hier immer die erste Frage.

 

Ich verneine dies und schildere ihm meine Symptome. Anschließend dürfen wir mit unserem Auto in eines der weißen Zelte hineinfahren. Dort erwartet uns eine Frau, ebenfalls in Schutzkleidung. Ich gebe ihr die Tüte mit dem Abstrich Set und sie erklärt mir, was sie jetzt gleich tun wird. Beim Corona Test wird ein Abstrich vom Rachen und von der Nase gemacht. 
Das bedeutet, dass dieses kleine Abstrich-Stäbchen erst ganz weit hinein in den Mund geführt wird. Dafür soll ich nach vorne schauen. Das liegt wohl daran, dass ich sie nicht direkt anschauen darf, wenn sie den Test macht, da ich ja Corona haben könnte und sie so anstecken könnte. Sie führt das Stäbchen so weit hinein, dass ich schon fast aufpassen muss, mich nicht zu übergeben. Dort wird kurz ein bisschen „rumgerieben“ und schon ist der erste Abstrich fertig. 


Danach wird der Nasenabstrich gemacht. Nicht wirklich mein Favorit, da die Nase sehr empfindlich ist und das deshalb sehr unangenehm ist. Das Stäbchen wird nun tief in ein Nasenloch eingeführt. Und zwar so tief, dass einem die Tränen kommen. Die Frau dreht das Stäbchen ein bisschen hin und her, zieht es wieder raus, packt es in die Tüte und gibt mir diese zurück.
Das klingt nun vielleicht etwas beängstigend, aber so schlimm ist der Test wirklich nicht. Ich muss zwar sagen, dass mein Auge danach sehr getränt hat und ich öfters schnäuzen musste, aber ich war ja sowieso schon krank, also hatte sich meine Lange in dieser Hinsicht nicht wirklich verändert. 


Anschließend gibt mir die Frau noch einen Zettel auf dem „Quarantäneempfehlung“ steht. Da ich nun unter Corona Verdacht stehe, heißt das, dass ich mein Haus jetzt gar nicht mehr verlassen darf. Auf dem Zettel stehen „Empfehlungen“ wie: Lassen sie sich ihre Nahrungsmittel von Freunden/ Bekannten bringen; Verlassen sie nicht das Haus; Halten sie den Abstand auch in der Familie ein; usw. Ich finde es gut, dass Jeder, der den Test macht, diesen Zettel bekommt, aber ich finde man sollte es nicht „Empfehlungen“ nennen.

 

Schließlich geht es bei Corona um Leben oder Tod. Da kann man nicht einfach nur etwas „empfehlen“. Hier muss etwas getan werden!


Sonntag, der 25. April: Gestern habe ich den Test bei meinem Arzt abgegeben. Nun warte ich auf mein Ergebnis. Was wirklich beängstigend war, war der Moment, in dem ich von meinem Arzt gesagt bekam, dass ich einen Corona Test machen muss. Der Moment, in dem man unter Corona Verdacht steht und man weiß, dass man mit einer Risikoperson in einem Haushalt wohnt. Und natürlich die Tage nach dem Test, wenn man auf sein Ergebnis wartet. Wie heute...


Mittwoch, der 29. April 2020: Bis jetzt habe ich immernoch keine Antwort von meinem Arzt erhalten. Schließlich halte ich es nicht mehr aus und rufe in der Praxis an.
Das erleichternde Ergebnis: ich bin Corona negativ!


Mit ruhigem Gewissen kann ich also nächste Woche wieder in die Schule gehen und mich dort mit dem „richtigen“ Corona anstecken.

 


Zum Abschluss noch ein herzliches Dankeschön an Ralph (den orangenen Mann) und die Frau in der Schutzkleidung! Danke Lorettowiesen-Team, dass ihr euch täglich der Corona Gefahr aussetzt! Und Danke auch an alle Ärzte (meinen eingeschlossen), dass sie in dieser Zeit so bodenständig bleiben und allen Patienten helfen!