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Schwarz-weiß-Foto aus einem Familienalbum: Drei Kinder und eine Frau gehen auf einem Schotterweg am Fluss entlang.

Aus dem Familienalbum: Erinnerungen an die DDR | Foto: Melina

Thema
Heimat
Redakteur | In
Melina
Veröffentlicht
20.11.2019

In der DDr gab es ja noch keine busse

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In der DDR gab es noch keine Busse???

 

Diese Aussage stammt von meiner Schwester während eines Spaziergangs in der Heimatstadt meiner Mutter in Thüringen. Sie zeigte uns damals ihren alten Schulweg.

Meine Schwester war damals sieben Jahre alt. Aber mich hat das nachdenklich gemacht und ich habe mich gefragt, wie kommt sie darauf und vor allem wie hat man in der DDR als Jugendliche gelebt?

 

Aus diesem Grund habe ich Katrin L. interviewt. Sie ist 49 Jahre alt und hat früher in Gerwisch bei Magdeburg gewohnt, also in der DDR.

Gerwisch ist ungefähr so groß wie Griesstätt und war damals ca. 80 Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt. Also ungefähr so weit wie Griesstätt von München weg ist.

Katrin hat drei Geschwister: zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Ihr Vater war Kraftfahrer in der Wasserwirtschaft und ihre Mutter arbeitete in einem Schwimmbad an der Garderobe. Als die Mauer fiel, war Katrin 19 Jahre alt. Heute lebt Katrin mit ihrem Mann Andre und ihrer Tochter Ann-Katrin in Griesstätt.

Schwarz-weißes Portrait-Foto von Katrin als Jugendliche
Katrin als sie etwa in meinem Alter war. Foto: Privat

Liebe Katrin, weißt du noch, wie dein Jugendzimmer aussah?

 

Mein Jugendzimmer habe ich mir mit meinem Bruder teilen müssen. Es war recht klein. Wir hatten zu sechst eine Doppelhaushälfte. Also war auch unser Zimmer recht klein. Da standen zwei Betten, ein Schrank, ein kleiner Tisch und ein Sesel drin. Und natürlich waren an den Wänden Poster von Musikgruppen, wie das halt so typisch ist.

 

Hast du dir früher gewünscht ein eigenes Zimmer zu haben, eins das du nicht mit deinem kleinen Bruder teilen musst? Ich habe mir auch lange ein Zimmer mit meiner Schwester geteilt, aber ich glaube mit einem Jungen sind die Interessen noch verschiedener.

 

Ja, ich hab mir eigentlich jeden Tag ein eigenes Zimmer gewünscht. Es war auch ganz schön lästig, ständig den kleinen Bruder im Zimmer zu haben. Wir konnten das aber erst ändern als meine älteren Schwestern ausgezogen waren, da war ich dann auch schon 14 oder 15 Jahre alt.

 

Wie sah denn im Allgemeinen eure Wohnung damals aus?

 

Also es gab zwei Etagen. In der oberen Etage waren die zwei Kinderzimmer für uns vier Kinder. Dann gab es oben noch einen Flur, in dem waren noch irgendwelche Kleiderschränke drin. Das wars. Also es war wirklich sehr klein. Unten waren das Elternschlafzimmer, das Wohnzimmer, die Küche und das Bad.

 

Ein Bad für sechs Personen, das war morgens doch dann ziemlich stressig, oder?

 

Ja, das wars auch. Wenn mein Vater mal auf Toilette wollte, hat er auch immer gefragt, ob eines von uns Kindern jetzt auch auf Toilette müsse. Wenn alle “Nein” gesagt haben, dann ist er gegangen. (lacht) Wir hatten halt nur ein Klo.

Und dann gab´s noch einen Keller, der war aber wirklich Keller. Nicht wie wir hier heute haben, also praktisch Wohnraum im Keller. Wir hatten damals einen Kohlenkeller, da stand der Ofen drin, der mit Kohle beheizt wurde. Das war schrecklich.

Was war so schrecklich?

 

Es hat gestunken. Kohle hat so einen speziellen Geruch. Und weil alle mit Kohle geheizt haben, war der Geruch sehr intensiv.

 

Wie sah denn so ein typischer Schulmorgen aus?

 

Wir mussten so um 7:00 Uhr auf stehen, da waren meine Eltern meistens schon auf Arbeit. Das war schon so als ich sechs Jahre alt war, aber meine älteren Schwestern waren ja da, um mir zu helfen. Das heißt wir waren zu viert und haben uns gekabbelt, gestritten und so. Du weißt ja wie das ist. Auf das Frühstück haben wir dann meistens einfach verzichtet, weil wir da keine Lust drauf hatten. Unsere Pausenbrote hatte meine Mutti uns immer schon geschmiert. Die haben wir dann genommen und sind zur Schule gelaufen.

 

Wenn ihr mal gefrühstückt habt, was gab´s dann so?

 

Ganz beliebt bei uns waren frische Brötchen, vom Konsum (dem Kaufhaus), die waren ganz lecker. Vor allem mit selbstgemachter Marmelade.

 

Hat euch beim Essen auch was gefehlt? Was es nur im Westen gab?

 

Als Kind hat man das nicht so gemerkt, man war es ja nicht anders gewohnt. Das kam dann erst später als ich so 18 bis 20 war. Da hab ich mir dann schon gedacht, so ein Joghurt wäre jetzt auch nicht schlecht. Aber als Kind ist einem nicht aufgefallen, dass da noch mehr sein könnte. Außerdem hatten wir auch einen Garten, da gab´s dann immer frisches Obst.

 

Was habt ihr denn da so angebaut?

 

Wir hatten ziemlich viel. Es gab Stachelbeeren und Johannisbeeren. Dann hatten wir noch Pflaumen, Pfirsichbäume und Erdbeeren. Wir hatten Kartoffeln, Spargel und Kräuter.

Und natürlich Stachelbeeren.

 

Stachelbeeren hattest du schon gesagt.

 

Wir hatten ja aber zwei Stachelbeersträucher! (lacht)

Also an Äpfel und Birnen kann ich mich nicht erinnern. Aber Radieschen und so Gemüse hatten wir schon sehr viel. Eigentlich alles, was man so gebraucht hat.

 

Du hast gesagt, du bist zur Schule gelaufen. Wie lange bist du unterwegs gewesen?

 

So zwischen 10 und 15 Minuten. Das war nicht so weit. Ich würde sagen, ich hatte ungefähr einen Kilometer bis zur Schule.

 

Das war ja gar nicht so weit. Ich bin in der Grundschule auch einen Kilometer zur Schule gelaufen. Was unterscheidet deinen damaligen Schulalltag von dem was deine Tochter Ann-Katrin jetzt so erzählt?

 

Der größte Unterschied wäre dann wohl bei den Fremdsprachen. Bei mir war Russisch die erste Fremdsprache, die hab ich ab der fünften Klasse gehabt.

In der siebten Klasse konnte man dann noch Englisch dazu nehmen. Diejenigen, die nicht so gut in Sprachen waren, mussten aber auch nicht. Ansonsten war es eigentlich das gleiche wie heute. Nur, dass es damals noch Staatsbürgerkunde gab. Da hat man dann was über Politik und "unsere" Freundschaft zur Sowjetunion gelernt.

Sonst gab´s halt noch ganz normale Fächer, wie Mathe, Deutsch, Geschichte und Geographie.

Alte Landkarte mit BRD und DDR mit Pfeil auf Magdeburg.
Katrin lebte bei Magdeburg in der DDR (hier rosa).

 

Meine Mutter, die ja auch in der DDR aufgewachsen ist, hat mir immer erzählt, dass im Geographie-Unterricht die Karten westlich der DDR einfach nur schwarz waren. Dagegen waren die DDR und die Sowjetunion bunt und mit Flüssen und den ganzen Städten eingezeichnet. War das bei dir auch so?

 

Ja, das war tatsächlich so! Wir haben uns auch nur die sozialistischen Länder angeschaut. Ich wusste bis zum Mauerfall

auch nicht, was von Gerwisch aus die erste Stadt hinter der Grenze ist. Das haben wir nicht gelernt.

 

Ich hab in der Schule gelernt, dass die meisten Schüler in der DDR in Ganztagsklassen oder Horts waren. Wie war das bei dir?

Bei uns gab es einen Früh-Hort, da musste ich aber nicht hin. Aber nachmittags war ich im Hort, ich glaube der ging bis 15:00 Uhr oder 15:30 Uhr. Da gab´s dann immer Mittagessen und Hausaufgabenzeit und, was mich besonders gefreut hat, jeden Tag ein Stück Kuchen. Da haben wir dann immer an Anfang der Woche eine Mark gezahlt. Also hat das Stück Kuchen 20 Pfennig gekostet.

 

Also war der Hort genauso wie heute mit Mittagessen, Hausaufgabenzeit und danach spielen?

 

Ja genau. Manchmal sind wir auch alle gemeinsam spazierengegangen. Das war ganz schön, weil die meisten Eltern ja berufstätig waren.

 

Jetzt habe ich eine Frage zu einem Thema über das wir auch in der Schule gesprochen haben, und zwar, dass es angeblich in jeder Klasse durchschnittlich einen STASI-Spitzel gab.

Ich würde gerne wissen, ob du gewusst hast, ob in deiner Klasse auch ein Spitzel war.

 

Ich hab zwar gewusst, dass es die STASI gibt. Aber ob es jetzt in jeder Klasse einen Spitzel gab, weiß ich nicht. Wenn in meiner Klasse einer war, hab ich das nicht gemerkt.

 

Hattest du in deiner Jugend Angst vor der STASI?

 

Ich hab mich eigentlich nie bedroht oder irgendwie eingeschränkt gefühlt. Gar nicht.

 

Gut, jetzt haben wir genug über Schule geredet und wollen mit etwas Schöneren weitermachen. Nämlich mit deiner Freizeit. Was hast du da so gemacht?

 

Das war immer etwas schwierig, denn es gab nicht so viele Freizeitangebote. Es gab eine Handballgruppe, aber Handball mochte ich nicht. Also hab ich mich dann mit meinen Freunden getroffen und wir sind dann oft mit dem Fahrrad rumgefahren. Unsere Hausaufgaben hatten wir ja schon im Hort gemacht, also konnten wir den Rest des Tages genießen. Als Jugendliche sind wir auch gerne in die Disco gegangen. Die fand immer von 17:00 bis 22:00 Uhr statt, das war auch immer sehr schön. Zur Erntezeit haben wir auch oft in der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) geholfen, um unser Taschengeld etwas aufzubessern. Wir haben da dann zum Beispiel Rüben geerntet.

 

Gab es denn etwas, was dich interessiert hätte, was in deiner Jugend aber nicht möglich war?

 

Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Da hätte ich mir gewünscht, dass es mehr Angebote gegeben hätte.

 

Was auch noch zu den Freizeitangeboten zählt sind die Jungpioniere. Du warst da sicherlich auch dabei. Kannst du mir etwas darüber erzählen?

 

Das ist schon sehr lange her. Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern. Ich weiß noch, dass wir immer mal wieder Versammlungen hatten und es gab da auch einen Vorsitzenden. Aber an die Aktivitäten kann ich mich nicht mehr erinnern. Wahrscheinlich haben wir irgendwelche Ausflüge gemacht. Aber es war jetzt nicht so, dass ich gemerkt hätte, dass wir dort schon auf Politik getrimmt wurden. Heute weiß ich, dass man uns das, für uns Kinder unbewusst, beigebracht hat.

 

Was denn beigebracht?

 

Hauptsächlich dieses Gemeinschaftsdenken. Also, dass man nur in der Gemeinschaft stark ist.

Ein Schwarz-weiß-Foto aus dem Familienalbum zeigt ein junges Mädchen mit einem genoteten Halstuch.
Katrin mit blauem Halstuch der Jungpioniere. Foto: Privat

 

Meine Mutter erzählt oft, dass sie immer das rote Halstuch haben wollte. Das gab es ab der fünften Klasse. Das hat sie aber nicht mehr bekommen, weil dann die Grenzöffnung war. War es für dich auch so ein großer Schritt vom blauen auf das rote Halstuch zu wechseln und später dann von den Pionieren zur FDJ (Freie Deutsche Jugend)?

 

Ja natürlich! In der Schule beim wöchentlichen Fahnenappell, da standen die Kleinen mit dem blauen Halstuch immer ganz vorne bei den Lehren, dann kamen die mit dem roten Halstuch und ganz hinten die FDJler mit den blauen FDJ-Blusen. Und man war schon stolz wenn man nicht mehr ganz vorne stehen musste, weil dann war man ja schon groß.

Das Ganze hat einem schon auch ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt.

 Kannst du dich noch dran erinnern, was passiert ist, wenn man sein Halstuch zum Fahnenappell nicht dabei hatte?

 

Ich glaube, das war auch nicht so schlimm. Dann wurde man einfach nach hinten gestellt, so dass es nicht aufgefallen ist.

 

Was hast du denn in deinen Schulferien gemacht?

 

Ferienangebote gab es viele. Es gab die Ferienspiele, da konnte man vormittags hingehen, weil die Eltern ja arbeiten waren. Und da hat man dann halt Spiele gespielt, eine schöne Zeit gehabt und manchmal auch Ausflüge gemacht. Das fand ich immer sehr schön und habe es auch viel genutzt.

 

Also war das wie das Ferienprogramm heutzutage?

 

Genau, es hieß nur anders. Dann war ich auch jedes Jahr im Ferienlager, immer zwei Wochen in den Sommerferien. Seit ich sechs war. Die gab es meistens von den Betrieben.

Ich war immer in dem von der Wasserwirtschaft. Das Beste dort war, dass man da französische Schüler getroffen hat. So haben wir auch mal andere Schüler und eine andere Sprache kennengelernt. Wir haben dort auch immer viele Wanderungen im Wald gemacht, Spiele, Tischtennisturniere, sind geschwommen und natürlich gab es da auch Disco, die war bei uns auch sehr beliebt. Nachtwanderungen und alles was dazugehört.

 

Wieso denn Franzosen? Konntest du Französisch sprechen?

 

Das weiß ich auch nicht so genau, aber das hatte irgendwas mit dem Betrieb vom meinem Vater zu tun. Französisch konnte ich nicht, deswegen haben wir uns mit Händen und Füßen verständigt. Während der Zeit dort haben die Franzosen etwas Deutsch und wir etwas Französisch gelernt, was man halt so schafft in zwei Wochen. Im nächsten Jahr ging das dann alles von vorne los, weil man alles wieder vergessen hatte. (lacht)

 

Du bist doch bestimmt auch mal mit der ganzen Familie in den Urlaub gefahren. Wo ging es denn dann hin?

 

Wir sind eigentlich immer nur an die Ostsee gefahren. Mit sechs Personen hatten wir nicht so viel Geld, um großartig zu verreisen. Also sind wir mit dem Zug, ein Auto hatten wir ja auch nicht, an die Ostsee gefahren.

 

Und dort ward ihr dann campen? Das ist ja auch so ein Klischee.

 

Nein, das haben zwar viele gemacht, auch an vielen Seen waren Camper. Aber wir waren immer im Hotel. Ich habe Camping sowieso nie gemocht.

 

Hättet ihr denn überhaupt ins Ausland fahren dürfen?

 

Ja, aber nur in andere sozialistische Länder, wie Ungarn, Polen und Russland.

 

Etwas, was für Jugendliche auch sehr interessant ist, sind Stars. Was für Promis gab es denn in deiner Jugend?

 

Stars aus der DDR gab es nicht wirklich viele. Wir haben schon auch sehr viel Musik aus dem Westen gehört. Es gab auch eine Anordnung, die besagte, dass in der Disco hauptsächlich DDR-Musik gespielt werden sollte. Aber das wurde nicht wirklich gemacht, höchstens mal ein zwei Lieder. Ganz gerne mochte ich schon immer Udo Lindenberg.

 

Der war ja aus dem Westen. Wie sah es bei Kinofilmen aus, was lief da so?

 

Ich glaub, da wurden auch Filme gezeigt, die auch im Westen liefen. Ich kann mich noch an einen Film erinnern, „Das fliegende Auge“ hieß der, der war glaub ich aus dem Westen. So oft war ich aber auch nicht im Kino. Das war damals noch nicht so üblich, ins Kino zu gehen. Es gab auch nur ein Kino und da lief dann nur ein Film, nicht wie heute, dass es mehrere Säle gibt.

 

Was hast du gerne im Fernseher angeschaut, falls ihr einen Fernseher hattet?

 

Ganz lange hatten wir einen Schwarz-Weis-Fernseher, bei dem man aufstehen musste, um umzuschalten. Natürlich mussten das dann immer wir Kinder machen.

Als Kinder haben wir Sonntagnachmittags immer die Sendung mit Pittiplatsch und Schnatterinchen geschaut. Heidi war bei uns auch sehr beliebt. Und natürlich das Sandmännchen.

Das läuft ja heute auch auf KIKA und kommt ursprünglich aus dem Osten. Jedes Jahr zu Weihnachten haben wir „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geschaut.

 

Den Film schauen wir auch immer zu Weihnachten.

 

Der ist ja auch sehr schön. Und ansonsten haben wir halt das anschauen müssen, was die Erwachsenen geschaut haben. So was wie die Muppet Show.

„Disco“ war eine Musiksendung, die mochte ich als Jugendliche sehr gerne. Auch die Hitparade und andere Musiksendungen haben wir sehr gerne angeschaut. Und auch da wieder eher Musik aus dem Westen. Im DDR-Fernsehen gab es auch nur Märchenfilme und sonst eigentlich nichts.

 

Also kann man sagen, in der DDR gab es einen Mangel an interessanten Fernsehsendungen?

 

Ja, wahrscheinlich. Wir haben eigentlich alle eher Westfernsehen geschaut. Das wurde bestimmt nicht gerne gesehen, aber es hat halt einfach jeder gemacht.

 

Zum Thema Klamotten: Was war denn da so Mode?

 

Also viel Auswahl gab es nicht. Aber wir waren kreativ und haben unsere Klamotten selber genäht. Wenn man etwas Schönes haben wollte, hat man es entweder selber gemacht oder sich die Sachen umgeändert. Jeanshosen waren aber selten und wenn es welche gab, saßen die schlecht. Also da hätte ich mir mehr Auswahl gewünscht!

 

Ich hab gehört, bei Schulranzen war das auch so, dass es nicht viel Auswahl gab?

 

Ja, da durfte man nicht wählerisch sein. Es hieß entweder den einen oder den anderen. Da war man dann cool wenn man das Glück hatte, einen aus dem Westen zu kriegen.

Wer öfters mal Westpakete bekommen hat, konnte sich etwas modischer kleiden. Auch wenn es in der Schule nicht erlaubt war, Sachen zu tragen, bei denen ein Label aus dem Westen zu sehen war. Die Lehrer haben einen auch immer darauf hingewiesen, dass diese Sachen nicht in der Schule zu tragen sind.

 

Gab es denn für dich damals auch Westpakete?

 

Manchmal hatten wir auch das Glück und haben was bekommen. Da waren dann Sachen wie Kordhosen oder ein Kleid, vielleicht auch mal eine Jeans drin. Wenn man Glück hatte waren auch mal Ferrero Küsschen drin. (lacht) Aber sonst waren da eigentlich keine Süßigkeiten dabei. Oh, und einmal habe ich ein rosa Halstuch mit Silberfäden drin bekommen. Das fand ich sehr schön und war schon stolz drauf.

 

Wer hat euch das geschickt?

 

Die Tochter, der Schwester meiner Oma. (lacht) Die hat uns die alten Kinderklamotten ihrer Kinder geschickt.

 

Hast du dir als Jugendliche manchmal gewünscht, im Westen zu wohnen und solche Sachen immer zu haben?

 

Nein, eigentlich nicht. Bei den Klamotten manchmal, aber im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit dem was wir hatten. Also, unbedingt weg wollte ich nicht. Ich hatte ja auch eine sehr schöne Kindheit und Jugend, bis auf den Konsum den wir nicht hatten. Und außer dem Konsum hat mir eigentlich nichts gefehlt, wir haben viel auf Freundschaft gesetzt und viel mit Freunden unternommen.

 

Gab es damals an deiner Schule auch Mobbing? Das ist ja heutzutage ein wichtiges Thema an den Schulen.

 

Ja, das gab es auch, wir haben das nur noch nicht Mobbing genannt. Aber es wurden auch schon Schüler gehänselt. Das gab es leider auch damals schon.

 

Und Busse? (lacht)

 

Klar, gab´s Busse! Aber wir sind nicht so oft mit dem Bus gefahren. 

Der Alltag von Katrin in der DDR war also sehr ähnlich zu meinem Alltag heute.

Freunde waren damals sehr wichtig und sind es, meiner Meinung nach, auch heute noch. Das ist doch eigentlich das, was für Jugendliche am wichtigsten ist.

Jemanden zu haben, mit dem man feiern kann und dem man vertrauen kann.