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Foto: Die Fotografin spiegelt sich in einer von vielen verspiegelten Stelen. Auf manchen Stelen spiegeln sich Teile von Häusern und Autos. Teils sind darauf auch Listen von Namen zu erkennen.

Spiegel in die Vergangenheit | Foto: Ann-Katrin

Gequält und Ermodert -
Das hätten auch wir sein können
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Wir stehen mitten in der Wasserburrger Altstadt und schauen in schlanke Spiegel, die hier seit ein paar Monaten im Kreis stehen. Was sehen wir darin?

Die bunten Häuser rund um den Heisererplatz, ein paar vorbeifahrende Autos... und uns.
Und da kommt uns der Gedanke: Das hätten auch wir sein können. Verena spricht ihn als erste aus.

Spiegel in die Vergangenheit

 

Die Spiegel, die an moderne Kunst erinnern, sind eine Gedenkstätte.
Diese soll an die Opfer der NS-Zeit erinnern, uns zwar an die Opfer, die hier in und um Wasserburg gelebt haben. Dabei geht es aber nicht etwa um Soldaten, die im zweiten Weltkrieg gefallen sind, sondern um psychisch Kranke und Behinderte aus den Einrichtungen in Gabersee und Attel. Zur Zeit unserer Urgroßeltern durften diese nicht weiterleben.

 

Die Nazis unter Adolf Hitler beschlossen, sie durch den Tod zu "erlösen", um das deutsche Volk zu "säubern". Und wisst ihr, wie man sie erlöst hat? Man hat sie zum Beispiel in so genannten Hungerhäusern grausam verhungern lassen und dabei sogar wie bei einem Experiment mitgeschrieben, wie das Gewicht der Menschen immer geringer wurde.

Unter den Opfern dieser unmenschlichen Methoden waren auch viele Jugendliche und

junge Erwachsene.

Foto: Viele schmale Stelen, die kreisförmig in einer kleinen Parkanlage vor Häuserfassaden stehen.Einige Stelen sind verspiegelt. Man erkennt Menschen, die sich die Spiegel anschauen.
Die neue Gedenkstätte am Heisererplatz in Wasserburg | Foto: Ann-Katrin
Foto: Zwei Erachsene und drei Jugendliche sitzen an einem Tisch und unterhalten sich
Interview mit Stadt-Archivar Matthias Haupt | Foto: Ann-Katrin

 

Das alles hat uns Matthias Haupt erzählt, der als Stadt-Archivar in Wasserburg arbeitet. Er hat sich viel mit den einzelnen Schicksalen hinter den Todeszahlen beschäftigt. Die Namen von 742 Todesopfern aus unserer Region stehen auf den schwarzen Innenseiten der nur von außen verspiegelten Stelen. Innen im Kreis kommt sofort eine bedrückende Stimmung auf. Ein Blumenkranz auf dem Boden erinnert an ein Grab. Wir sind alle leise geworden.

 

Wir lesen die kurzen Texte, die erkären, was mit den Menschen passiert ist. Das ist traurig und trotzdem irgendwie fesselnd. Mit dem Handy könnte man einen QR Code scannen, der zu einer Webseite führt, die zu der Gedenkstätte daugehört. Diese findet man auch unter www.wasserburg.de/gedenken.

 

Und was machen wir jetzt mit all den traurigen Informationen?
Warum sollten wir überhaupt gedenken?

 

Damit wir fühlen, dass das, was damals hier passiert ist, falsch war!
Und damit wir wollen, dass so etwas ncht wieder passiert.

Sowas hören wir ja auch oft in der Schule. Aber hier in dieser Gedenkstätte kann man das besser nachvollziehen.

Deshalb schaut euch die Spiegelstelen doch auch mal näher an! Und testet, was ihr darin steht!

 

Eure Melina, Verena, Emely und Ann-Katrin