zum Inhalt
Foto: Verschiedene  Schreibwaren und zwei Taschen

Was man nicht alles fürs Studium braucht! | Foto: Ann-Katrin

Artikel von Melina
Bereich
Wissen
Veröffentlicht
01.11.2021

Ist Studieren wie Schule?

Was wollt ihr eigentlich nach der Schule machen? Für uns war schon früh klar, dass die Antwort auf diese Frage studieren lautet. Jetzt ist es tatsächlich soweit! Wir haben unser Abitur in der Tasche, haben uns für einen Studiengang sowie eine Hochschule entschieden und auch schon angefangen zu studieren. Damit sind zum Teil auch große Veränderungen verbunden. Wie ist es, in eine Stadt zu ziehen und auf einmal mit fremden Menschen zusammenzuleben? Was bringt das Studium für Herausforderungen mit sich? Und haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Diese und noch viele weitere Fragen haben wir uns gestellt und dabei unsere bisherigen Erfahrungen rund ums Studium aufgeschrieben.  

Studieren - Und das auch noch in einer fremden Stadt? (Ann-Katrin)

Meine ersten Wochen als Studentin:

 

Ende September: Jetzt ist es schon fast 3 Monate her, dass ich mein Abiturzeugnis entgegen genommen habe. Wie schnell ist bitte die Zeit vergangen!? Und bald beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt für mich. Ich werde nämlich Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) in Freising studieren. Aber bis dahin habe ich noch einiges zu tun. Wie zum Beispiel umziehen... Für mich ist relativ schnell klar, dass ich nicht jeden Tag nach Freising pendeln möchte. Also habe ich mich diesen Sommer nach Wohnungen umgeschaut und schließlich auch eine WG ganz in der Nähe der Hochschule gefunden. 

 

2. Oktober: Ich bin schon ganz aufgeregt, heute ziehe ich nach Freising, genauer gesagt nach Leonhardsbuch, ein kleines Kaff ganz in der Nähe. Meine Taschen stehen schon fertig gepackt im Flur. Heute werden meine Eltern nochmal mit zur WG kommen, um mir mit meinem ganzen Zeug zu helfen. Nach 1 1/2 Stunden Fahrtzeit, stehen wir kurz darauf voll bepackt vor der Wohnungstür und ich suche nach dem Schlüssel. Mal wieder typisch für mich. Ein paar Minuten später finde ich ihn dann in den Tiefen meiner Reisetasche. Drinnen laden wir zunächst alles in mein Zimmer. Das dauert ziemlich lange, naja ich hab ja schließlich auch echt viel Kram dabei. Nach einer kurzen Mittagspause verabschieden sich meine Eltern und ich bin allein. Naja nicht ganz. Gerade höre ich, wie die Wohnungstür aufgeht. Vielleicht meine Mitbewohner? Ja, tatsächlich, als ich in die Küche gehe, stehe ich auf einmal einer großen Brünetten gegenüber, welche mich freundlich anlächelt. "Hi, du bist bestimmt Ann-Katrin. Ich heiße Nicole, aber du kannst mich gerne Nikki nennen." Kurz darauf verwickelt sie mich in ein Gespräch über Backen und Kochen und die Zeit verfliegt. Später am Abend kommen dann auch die anderen Bewohner der WG. Luise, Tom, Nikki und Luisa sind wirklich sehr freundlich und der erste gemeinsame Abend ist sehr lustig. Als WG passen wir gut zusammen, denke ich. 

4. Oktober: Ich bin sehr, sehr nervös. Heute um 14 Uhr ist die Einführungsveranstaltung meiner Hochschule. Bei dem Gedanken daran, gleich mit vielen Fremden auf dem riesigen Campus herumzuirren, wird mir ganz mulmig. Doch zum Glück lenkt mich genau in diesem Augenblick meine Mitbewohnerin Lu damit ab, dass sie von ihrem Einführungs-Tag erzählt. Und wie immer schafft sie es, mich zu beruhigen, sodass ich später voller Zuversicht ins Auto steige und losfahre. 15 Minuten später erreiche ich den Campus und stehe vor dem ersten Problem. Wo soll ich parken? Nach 10 Minuten habe ich endlich auf einem kleinen Hügel den perfekten Parkplatz gefunden. Das dachte ich zu dem Zeitpunkt jedenfalls noch. Ein wirklich sehr großer Fehler, wie ich später bemerke...

 

Um Punkt 14 Uhr sitze ich mit ca. 80 anderen Erstis in einem großen Raum und wir werden von unserem Studiendekan begrüßt. Er ist es auch, der uns unsere Dozenten*innen und Professoren*innen vorstellt. Sie scheinen alle ganz freundlich und sympathisch zu sein. In einer kurzen Zwischenpause unterhalte ich mich mit meinem Sitznachbarn. Er ist auch 18 Jahre alt und hat dieses Jahr Abi gemacht. Bevor wir uns besser kennenlernen können, werden wir allerdings aufgefordert, unsere Skripte abzuholen. Ich wusste schon vorher, dass das kommen wird, aber... mit so viel Papier habe ich nicht gerechnet. Jeder sollte sich einen Karton aus einem kleinen Extra-Raum holen und wieder in den großen Raum zurückkommen. Insgesamt 9 Kilo Papier! 9 KILO!!! Zurück am Platz wird uns mitgeteilt, dass wir jetzt in kleineren Gruppen von Studenten aus dem 3. Semester auf dem Campus herumgeführt werden. Naja, eigentlich alles schön und gut, aber auf unserem Rundweg bemerke ich, dass sich unsere Mentoren aus dem 3. Semester auf dem Campus genauso wenig auskennen wie wir! Warscheinlich weil sie die letzten beiden Semester nur Online-Vorlesungen hatten... Nach unserer 45 minütigen Führung weiß ich immer noch nicht, wo beispielsweise die Bibliothek oder die Mensa ist, weil uns unsere Mentoren nur vage Richtungen zeigen konnten. Ich hoffe, ich finde mich in den kommenden Wochen dann besser zurecht. Am Ende der Veranstaltung bereue ich sehr, dass mein Auto ziemlich weit entfernt steht und dann auch noch auf einem Hügel. Kein leichter Weg mit 9 Kilo Skripten im Arm... Am Ende des Tages falle ich glücklich und sehr erschöpft in mein Bett.

 

Ende Oktober: Jetzt ist der Oktober fast vorbei, ich bin schon 3, fast 4 volle Wochen an der HSWT und ich muss sagen, dass es mir wirklich gut gefällt. Die Dozenten und Professoren sind sehr freundlich und die Vorlesungen echt interessant. Naja, außer BWL... In diesen Vorlesungen kommt es oft vor, dass Studenten einschlafen. Das ist dann immer ziemlich amüsant für uns Mitstudierende, besonders wenn der/die Dozent*in oder Professor*in darauf aufmerksam wird. Ob mir der Studiengang "Lebensmitteltechnologie" liegt, kann ich derzeit noch nicht beantworten, da im 1. Semester zunächst die Grundlagen aus der Mathematik und aus allen Naturwissenschaften also Physik, Chemie und Biologie vermittelt werden. Aber bis jetzt hat mir alles ziemlich gut gefallen. :)

Studieren in der weiten Welt? Muss nicht sein! (Melina)

Ich studiere Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Rosenheim (TH-Rosenheim) und das im 1. Semester. Da das Semester gerade erst angefangen hat, ist das Studium und alles was damit zusammenhängt noch ziemlich neu für mich. Das Gute ist, dass man nicht komplett unvorbereitet ins Studium starten muss, denn an der TH-Rosenheim wird immer ein sog. Orientierungs- oder auch Ersti-Tag veranstaltet. Dieser Tag war am 1. Oktober und ich habe auch daran teilgenommen. Ich fahre also morgens mit dem Zug nach Rosenheim und stehe dort schon vor dem ersten Problem: Wo muss ich eigentlich hin? Der Weg zum Campus ist nicht schwer und ich finde ihn auch schnell, aber der Campus ist nicht gerade klein und mir seinen vielen Gebäuden auch ziemlich unübersichtlich. Ich habe zwar eine Raumnummer, aber ich weiß nicht, wie ich dorthin komme. Meine Uhr verrät mir, dass es erst in einer Stunde losgeht und bis dahin werde ich den Hörsaal schon finden. Ich schaue mich erstmal etwas auf dem Campus um und treffe dabei auf andere Studentinnen aus dem 1. Semester. Nach einem kurzen Gespräch stellt sich heraus, dass wir nicht im selben Studiengang sind. Aber ich kann jetzt endlich etwas mit der Raumnummer anfangen. Wenn man das System erstmal kennt ist es nicht mehr schwer sich zurecht zu finden. Im Hörsaal angekommen setze ich mich neben eine junge Frau und wir stellen uns kurz vor. Da es immer noch gute 15 Minuten dauert bis es losgeht ist der Saal noch ziemlich leer. Ich beobachte die Leute, die nach und nach eintreffen und unterhalte mich währenddessen mit meiner Sitznachbarin. Wie ich schon erwartet habe, sind nicht viele Frauen in meinem Studiengang. Unter den 76 Studierenden sind etwa 15 Studentinnen. 

 

Der Orientierungstag an sich ist sehr hilfreich, auch wenn es natürlich gleich am Anfang an der Technik scheitert. Etwas verspätet bekommen die Studierenden aus dem 5. bzw. 7. Semester das Begrüßungsvideo dann aber doch noch zum laufen. Anschließend folgt eine Einführung in die Campus IT, die sich aber ganz schön in die Länge zieht, da wirklich jede Kleinigkeit ausführlichst erklärt wird. Der Student aus dem 5. Semester, der meine Gruppe betreut, gibt uns auch noch ein paar Tipps zum Studium und der Prüfungsvorbereitung. Der wohl wichtigste davon ist: "Lernt immer fleißig mit und schiebt eure Klausuren nicht! Also macht es nicht wie ich es im 1.Semester gemacht habe!"  Nachdem wir aufgehört haben, über diese Aussage zu lachen, zeigt er uns die Gebäude, in denen wir Vorlesungen haben werden, sowie andere wichtige Räume, wie die Bibliothek oder das Sekreteriat. Dabei spürt man die Auswirkungen der vergangenen Online-Semester deutlich - mit einer geführten Tour hat das Ganze nämlich relativ wenig zu tun. Der 5. Semester weiß häufig selbst nicht genau wo sich welcher Raum oder welches Gebäude befindet. Am Ende habe ich das Gefühl, jede Treppe der Hochschule mindestens einmal genutzt zu haben... Schließlich finden wir uns in dem Hörsaal wieder, in dem es losgegangen ist. Hier wartet schon die Leiterin des Studiengangs Wirtschaftsinformatik auf uns. Sie heißt uns erstmal herzlich an der TH-Rosenheim willkommen und erklärt uns dann unter anderem unseren Stundenplan. Der Tag war sehr informativ, aber hat mich auch etwas überfordert, denn mit einem Großteil der Informationen kann ich noch nicht wirklich etwas anfangen.

 

Am Montag, den 4. Oktober geht es dann richtig los! Irgendwie kommt es mir noch sehr unwirklich vor jetzt zu studieren, aber daran werde ich mich schon gewöhnen. Pünktlich um 8:00 Uhr sitzen ich und die 75 weiteren Erstsemester in unserer ersten Vorlesung. Die Aussicht, montags immer mit einer dreistündigen Mathematik-Vorlesung zu beginnen, ruft bei den meisten alles andere als Begeisterung hervor. Aber heute ist es noch nicht schlimm. Wir bekommen wieder viele Infos und Organisatorisches erklärt, wobei diese Sachen jetzt unmittelbar relevant sind. Das setzt sich eigentlich die ganze erste Woche meines Studiums so fort. Jeder Dozent hat seinen eigenen Lehrstil sowie andere Anforderungen und Erwartungen an uns. Darauf muss ich mich natürlich erstmal einstellen.

 

Auch innerhalb des Studiengangs tut sich einiges! Es bilden sich schon in den ersten Tagen Grüppchen. Auch ich finde schnell vier anderen Studierende mit denen ich die Pausen verbringe und in den Vorlesungen zusammen sitze. Schnell finden die einzelnen Grüppchen auch ihre "Stammplätze" in den Hörsälen. In Gesprächen mit einigen meiner Kommilitonen merke ich recht schnell, dass ich eine der Jüngsten bin. Eigentlich ja logisch, da ich dieses Jahr mein Abitur gemacht habe und auch erst 18 Jahre alt bin, trotzdem bin ich ziemlich überrascht, dass viele Andere schon Mitte zwanzig sind. Letztlich habe ich in der ersten Woche inhaltlich noch nicht sehr viel gelernt, das dürfte sich aber schnell ändern. Dafür habe ich hingegen die Dozenten und meine Kommilitonen (besser) kennengelernt und das ist schließlich auch sehr wichtig.  

 

Der Anfang der zweiten Studiumswoche hält auch eine Überraschung für mich bereit. Als ich mich in der Mathe Vorlesung umschaue, stelle ich nämlich verblüfft fest, dass wir deutlich weniger sind als letzte Woche. Der Dozent zählt 36 Studierende. Das bedeutet 40 sind nicht zu dieser Vorlesung erschienen! Auch in den anderen Lehrveranstaltungen sind wir nur zwischen 45 und 50 Leuten. Ich finde es irgendwie seltsam, dass viele so schnell der Meinung sind nicht hier sein zu müssen. Denn auch wenn mir manches noch recht einfach und die dazugehörige Vorlesung dementsprechend unnötig erscheint, gehe ich trotzdem hin! Zwischen den Lehrveranstaltungen habe ich aber auch immer wieder Lücken im Vorlesungsplan, die ich und einige andere zum Lernen, Nachbereiten oder zum Erledigen von Übungsaufgaben nutzen. Mit der Zeit bildet sich natürlich auch die Routine aus, ich merke mir die Namen einiger Kommilitonen, kann die Dozenten und ihre Lehrstile besser einschätzen, kann mich auf dem Campus zurecht finden und komme vorallem in den Studienalltag hinein. 

 

Mein Fazit nach vier Wochen Studium:

 

Ich habe gemerkt, dass es sich sehr deutlich von der Schule unterscheidet. Eigenständiges Lernen wird vorausgesetzt und es interessiert keinen Dozenten, ob man zu der Vorlesung kommt oder nicht. Die meisten Dozenten versuchen nicht einmal, unsere Namen zu lernen. Ich muss mich außerdem noch daran gewöhnen immer mit "Sie" angesprochen zu werden. Auch wird inziwischen sehr viel Stoff in den Vorlesungen behandelt. Deshalb ist es zwingend notwendig, sich auch danach noch damit zu beschäftigen. Insgesamt gefällt mir mein Studium sehr gut und ich finde alle Vorlesungen, bis auf BWL, sehr interessant. Aber BWL ist schließlich an anderen Hochschulen genauso langweilig. Während Andere aus meinem Studiengang schon festgestellt haben, dass sie das falsche Fach gewählt haben und deswegen zum Teil schon wieder aufgehört haben oder darüber nachdenken aufzuhören, bestätigt mich bis jetzt jeder Tag darin, dass ich für mich die richtige Entscheidung getroffen habe. Zwar ist der Gedanke, wirklich eine Studentin zu sein immer noch komisch für mich, doch ich bin mir sicher, dass sich auch das in den nächsten Wochen legt.

Zu all meinen Beiträgen
>